Gülbenk, Deyiş, Nefes, Raa Haqi, Dersim und kırmanckî Gebet – Pir Haydar Buğa

In diesem Video behandelt Pir Haydar Buğa ausführlich die zentrale Bedeutung von deyiş, nefes und gülbenk im Alevitentum. Er betont, dass die ethischen Kodizes, die kosmologische Struktur, die Glaubensnarrative und die soziale Ordnung der alevitischen Philosophie durch diese mündlichen Formen vermittelt werden und dass die grundlegenden Prinzipien des alevitischen yol in deyiş und nefes verankert sind. Die Darstellung zeigt, dass die mündliche Kultur im alevitischen Glaubensverständnis nicht nur eine Ausdrucksform ist, sondern das zentrale Medium zur Weitergabe von kollektivem Gedächtnis und Wegwissen darstellt.

Pir Haydar Buğa erläutert, dass sich durch die über Jahrhunderte hinweg mündliche Weitergabe von deyiş und nefes der kollektive Geist, die Gefühlswelt und der Bedeutungsraum der alevitischen Gemeinschaft herausgebildet haben. Anhand von Beispielen zeigt er, wie diese Texte historische Ereignisse, Glaubenscodes und gesellschaftliche Erfahrungen miteinander verbinden und den Alevit:innen Orientierung geben, indem sie die alevitische Geschichte und Philosophie in einer bis in die Gegenwart reichenden Kontinuität lebendig halten.

Im Video bezeichnet der Pir das Alevitentum als einen „alten Kult“ und weist darauf hin, dass sich diese alte Struktur insbesondere in der Tradition des Dersimer Alevitentums (Raa Haqi) über die Beziehung zur Natur herausgebildet hat. In diesem Zusammenhang gibt er Beispiele von Gebeten an die Morgensonne und erläutert, wie nefes, deyiş und Gebete die alevitischen Glaubenscodes konkret erfahrbar machen. Pir Haydar Boğa rezitiert ein kırmanckî Sonnengebet und erklärt dieses anschließend auf Türkisch, wodurch der philosophische Hintergrund der Raa Haqi-Tradition sichtbar wird.

Die Darstellung von Pir Haydar Buğa unterstreicht die zentrale Rolle des Verständnisses von heiliger Natur in der Dersimer Raa Haqi-Tradition und zeigt, wie Berge, Sonne, Wasser und natürliche Elemente eng mit der Glaubenswelt verflochten sind. Ohne diese Tradition mit abrahamitischen Religionen in Beziehung zu setzen, präsentiert der Pir sie als ein mit der Natur verbundenes Glaubenssystem und bringt den alten, lokalen und eigenständigen Charakter des Alevitentums klar zum Ausdruck. In dieser Hinsicht bietet das Video eine besonders lehrreiche Darstellung, um die philosophischen, kosmologischen und ethischen Dimensionen der alevitischen mündlichen Kultur umfassend zu verstehen.

Diese Aufnahme wurde am 6.–7. Dezember 2025 in den CAN TV Studios in Köln im Rahmen der mündlichen Geschichts- und visuellen Archivarbeit der Alevi Enzyklopädie sowie der Reihe „Aus den Worten der Wegführer:innen“ aufgezeichnet.
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