Der dersimer alevitische Kalender, Gağan, das Xızır/Hızır-Fasten, Hewtemal – Kara Çarşamba und der Trauermonat
In diesem Video behandelt Pir Haydar Buğa umfassend das religiöse Zeitverständnis, das in der Tradition des Dersimer Alevitentums (Raa Haqi) als „alevitischer Kalender“ bezeichnet wird und sich je nach Geografie, Sprache, kulturellen Traditionen und historischem Hintergrund zwischen verschiedenen alevitischen Gemeinschaften unterscheidet. Mit Fokus auf die Dersimer Alevi-Tradition erläutert der Pir ausführlich die grundlegende Logik dieses Kalenders, seine zentralen rituellen Stationen sowie die Bedeutung dieses zyklischen Systems innerhalb der Glaubenspraxis.
Im Zentrum der Darstellung steht der im Dersimer Alevitentum als „drei Monate“ bezeichnete Zeitraum, der im gregorianischen Kalender etwa von Mitte Dezember bis März reicht. Pir Haydar Buğa erklärt, dass diese Phase mit Gağan beginnt, mit den Xızır-Fasten und dem Xızır-Monat fortgesetzt wird und mit den Ritualen von Hewtemal (Kara Çarşamba) ihren Abschluss findet. Jede dieser Stationen wird mit ihren kosmologischen Bedeutungen und sozialen Funktionen erläutert, wobei Themen wie der Übergang vom alten zum neuen Jahr, das Überwinden der härtesten Winterphase, Fülle, Erleuchtung und das erneute Erwachen der Natur zusammenhängend dargestellt werden.
Besonders eindrucksvolle ethnografische Einblicke bieten die Passagen zum Xızır/Hızır-Opfer. Der Pir schildert, dass das Opfertier lange im Voraus von der Herde getrennt, über Monate hinweg wie ein Mitglied des Haushalts behandelt, auf das Dach gebracht und nur ein einziges Mal geschlachtet wurde. Dass sich beim Opfer das gesamte Dorf versammelte und das Gebet vom Pir gesprochen wurde, unterstreicht den kollektiven und sakralen Charakter dieses Rituals. Pir Haydar Boğa stellt zudem eine Verbindung zwischen dem Xızır-Opfer und symbolischen Toden her, wie sie in musahiplik-Ritualen vorkommen und im Alevitentum mit Vorstellungen wie „Sterben und Wiedergeborenwerden“ oder „im Leben sterben“ beschrieben werden.
Darüber hinaus erläutert Pir Haydar Buğa , wie Hewtemal/Kara Çarşamba als eine Schwelle verstanden wird, die mit dem Erwachen der Natur, dem Beginn des Frühlings und in manchen alevitischen Traditionen mit Hıdırellez in Verbindung steht. Er erklärt die symbolische Bedeutung der cemre, die nacheinander auf Erde, Luft und Wasser fallen. Ergänzend wird eine rituelle Schwelle um den 23. Oktober thematisiert, die als Beginn des „Sterbens der Natur“ interpretiert und mit Praktiken von Trauer und Klage verknüpft wird. In den späteren Teilen des Videos werden auch die Fasten der Zwölf Imame in diesen erweiterten kalendarischen Zusammenhang eingeordnet, wodurch das Verhältnis von Zeit, Natur und Ritual im Dersimer Alevi-Glauben umfassend sichtbar wird.
In dieser Perspektive versteht das Video den alevitischen Kalender im Dersimer Alevitentum (Raa Haqi) nicht nur als eine Abfolge von Daten, sondern als ein lebendiges Glaubenssystem, das eng mit Naturzyklen, Kosmologie, kollektivem Gedächtnis und ritueller Praxis verflochten ist, und bietet damit einen äußerst wertvollen ethnografischen Rahmen.
Diese Aufnahme wurde am 6.–7. Dezember 2025 in den CAN TV Studios in Köln im Rahmen der mündlichen Geschichts- und visuellen Archivarbeit der Alevi Enzyklopädie sowie der Reihe „Aus den Worten der Wegführer:innen“ aufgezeichnet.
Im Zentrum der Darstellung steht der im Dersimer Alevitentum als „drei Monate“ bezeichnete Zeitraum, der im gregorianischen Kalender etwa von Mitte Dezember bis März reicht. Pir Haydar Buğa erklärt, dass diese Phase mit Gağan beginnt, mit den Xızır-Fasten und dem Xızır-Monat fortgesetzt wird und mit den Ritualen von Hewtemal (Kara Çarşamba) ihren Abschluss findet. Jede dieser Stationen wird mit ihren kosmologischen Bedeutungen und sozialen Funktionen erläutert, wobei Themen wie der Übergang vom alten zum neuen Jahr, das Überwinden der härtesten Winterphase, Fülle, Erleuchtung und das erneute Erwachen der Natur zusammenhängend dargestellt werden.
Besonders eindrucksvolle ethnografische Einblicke bieten die Passagen zum Xızır/Hızır-Opfer. Der Pir schildert, dass das Opfertier lange im Voraus von der Herde getrennt, über Monate hinweg wie ein Mitglied des Haushalts behandelt, auf das Dach gebracht und nur ein einziges Mal geschlachtet wurde. Dass sich beim Opfer das gesamte Dorf versammelte und das Gebet vom Pir gesprochen wurde, unterstreicht den kollektiven und sakralen Charakter dieses Rituals. Pir Haydar Boğa stellt zudem eine Verbindung zwischen dem Xızır-Opfer und symbolischen Toden her, wie sie in musahiplik-Ritualen vorkommen und im Alevitentum mit Vorstellungen wie „Sterben und Wiedergeborenwerden“ oder „im Leben sterben“ beschrieben werden.
Darüber hinaus erläutert Pir Haydar Buğa , wie Hewtemal/Kara Çarşamba als eine Schwelle verstanden wird, die mit dem Erwachen der Natur, dem Beginn des Frühlings und in manchen alevitischen Traditionen mit Hıdırellez in Verbindung steht. Er erklärt die symbolische Bedeutung der cemre, die nacheinander auf Erde, Luft und Wasser fallen. Ergänzend wird eine rituelle Schwelle um den 23. Oktober thematisiert, die als Beginn des „Sterbens der Natur“ interpretiert und mit Praktiken von Trauer und Klage verknüpft wird. In den späteren Teilen des Videos werden auch die Fasten der Zwölf Imame in diesen erweiterten kalendarischen Zusammenhang eingeordnet, wodurch das Verhältnis von Zeit, Natur und Ritual im Dersimer Alevi-Glauben umfassend sichtbar wird.
In dieser Perspektive versteht das Video den alevitischen Kalender im Dersimer Alevitentum (Raa Haqi) nicht nur als eine Abfolge von Daten, sondern als ein lebendiges Glaubenssystem, das eng mit Naturzyklen, Kosmologie, kollektivem Gedächtnis und ritueller Praxis verflochten ist, und bietet damit einen äußerst wertvollen ethnografischen Rahmen.
Diese Aufnahme wurde am 6.–7. Dezember 2025 in den CAN TV Studios in Köln im Rahmen der mündlichen Geschichts- und visuellen Archivarbeit der Alevi Enzyklopädie sowie der Reihe „Aus den Worten der Wegführer:innen“ aufgezeichnet.
GALERİ
Gesprächspartner:in
- Ahmet Kerim Gültekin