Natur und Alevit:innen, Jiar u Diyar, Herd u Dewreş, Raa Haqi, Xızır/Hızır, Jiare, Ziyaret, Heilige Orte – Pir Haydar Buğa

In diesem Video erläutert Pir Haydar Buğa ausführlich das Konzept Herd-u Dewreş (Derwischland / Wohnort der Derwische) im Dersimer Alevitentum (Raa Haqi), ausgehend vom Verständnis der heiligen Erde in Dersim und vom Phänomen der jiare (Heiliger Orte). Er betont, dass Herd-u Dewreş nicht lediglich einen bestimmten Ort bezeichnet, sondern ein ganzheitliches Verständnis des yol zum Ausdruck bringt, das eng mit heiliger Geografie, religiöser Praxis und kosmologischer Kontinuität verbunden ist.

Im Zentrum der Darstellung steht das Phänomen der jiare. Pir Haydar Buğa versteht jiare als Tore und Spiegelungen der batın-Welt in der zahir-Ebene und erläutert, dass diese heiligen Orte ein weit verzweigtes Netzwerk bilden, das sich über Dörfer, deren Umgebung, Wegverläufe und Bergspitzen erstreckt. Dieses Netzwerk spiegelt im Dersimer Alevitentum ein vielschichtiges Beziehungssystem wider, das nicht nur menschliche Beziehungen umfasst, sondern auch die Beziehungen zu Natur, Raum und batın-Wesen einschließt.

Durch die vielschichtige Erläuterung des Begriffspaares Jiar und Diyâr zeigt der Pir, wie Raum innerhalb der alevitischen Kosmologie verstanden wird. In diesem Zusammenhang wird das Dersimer Alevitentum nicht nur über sichtbare Ocak–talip-Beziehungen beschrieben, sondern als eine in sich stimmige und ganzheitliche kosmologische Struktur, die von batın-Charakteren durchzogen ist. Alle lebenden und nicht-lebenden Wesen besitzen innerhalb dieser Kosmologie einen sinnhaften Platz, wobei die Natur als ein heiliger Existenzraum verstanden wird.

Die Erläuterungen von Pir Haydar Buğa, die insbesondere in kırmanckî (Zazaki) Formulierungen vorgetragen werden, eröffnen eine emische und innenperspektivische Sicht auf das Dersimer Alevitentum. Diese sprachliche Wahl macht die Bedeutungswelten von jiare, heiligen Orten und kosmologischen Figuren in besonderer Tiefe sichtbar. Im Verlauf des Videos veranschaulicht der Pir zudem anhand des Xızır-Glaubens, wie sich Vorstellungen von Heiligkeit, vom yol und von schützenden Wesen innerhalb der Raa Haqi-Tradition herausbilden.

In dieser Perspektive behandelt das Video die Beziehung zwischen Herd-u Dewreş, jiare und heiliger Geografie im Dersimer Raa Haqi-Alevitentum in einem umfassenden kosmologischen Rahmen. Es bietet eine besonders lehrreiche Darstellung, um die tiefen Verbindungen zu verstehen, die das alevitische Glaubenssystem mit Natur, Raum und der batın-Welt eingeht.

Diese Aufnahme wurde am 6.–7. Dezember 2025 in den CAN TV Studios in Köln im Rahmen der mündlichen Geschichts- und visuellen Archivarbeit der Alevi Enzyklopädie sowie der Reihe „Aus den Worten der Wegführer:innen“ aufgezeichnet.
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