Was ist das Alevitentum? – Aleviten und Islam: İkrar, Hakikat, Devriye
In diesem Video präsentiert Pir Rıza Yağmur eine umfassende Darstellung, die sich um die Frage „Was ist das Alevitentum?“ entfaltet. Indem er das Ritual des İkrar anhand von Deyiş erklärt, macht er die tiefen philosophischen, theologischen und ethischen Dimensionen des alevitischen Glaubens sichtbar. Pir Rıza Yağmur betont, dass Deyiş im Alevitentum nicht nur eine Sprache des Gebets sind, sondern zugleich eine mündliche Theologie, ein ethisches System, eine politische Haltung und ein Träger kollektiven Gedächtnisses. Diese reiche mündliche Tradition vermittelt er anhand eindrucksvoller Beispiele.
Im Verlauf des Videos wird die Frage „Was ist Spiritualität?“ aus alevitischer Perspektive behandelt. Kapitalismus, Nefs und die Beziehung des Menschen zur Ethik werden ausgehend von der alevitischen Theologie erklärt. Die alevitischen Deutungen von Himmel und Hölle, die Funktion von Destur sowie die grundlegenden Prinzipien der Lehre der Hakikat werden dargestellt. Die Beziehung zwischen der sichtbaren (Zahir) und der unsichtbaren (Batın) Welt wird im Rahmen der Kosmologie von Raa Haqi erläutert und macht die metaphysische Dimension des Glaubenssystems sichtbar.
Das Video enthält zudem äußerst originelle Beiträge aus den Volksnarrativen und Märchen von Dersim. Anhand der Geschichte der Schildkröte wird gezeigt, wie ein Individuum seine Identität im Erzähluniversum von Raa Haqi erkennt. Ein ehemaliger Händler, der Unrecht beging, indem er Steine in Getreidesäcke legte, soll eine „Steinform“ angenommen haben und als Schildkröte in die Welt zurückgeschickt worden sein. Ein weiteres eindrückliches Beispiel für Devriye (Seelenwanderung) wird durch die Erzählung von Başköylü Hasan Efendi vermittelt: Während eines Cem erscheint ein Hund, der sich später als ein zuvor verstorbener Dorfbewohner zu erkennen gibt.
Anhand der Schilderung einer Diskussion mit Priestern über die Geburt von Maria und Jesus wird erklärt, wie alevitische Deyiş mit den Theologien anderer abrahamitischer Religionen in Beziehung stehen. In diesem Zusammenhang wird die Frage „Wer sind wir?“ mit kosmologischer Tiefe behandelt. Die Existenz des Alevitentums von Ewigkeit zu Ewigkeit und seine Rolle als Träger des Geheimnisses der Hakikat werden durch Deyiş interpretiert.
Pir Rıza Yağmur erklärt, dass „ein Pir, der seinem İkrar treu bleibt, neunzigtausend Verse in seinem Geist trägt“. Mit dieser Aussage macht er anschaulich, wie Ocaks und Pirs im Laufe der Geschichte Wissen durch Deyiş weitergegeben haben, wie kollektives Gedächtnis bewahrt wurde und wie die alevitische Philosophie die Weitergabe von Wissen über Jahrtausende hinweg ermöglicht hat. Während das Video die Beziehung zwischen Alevitentum und Islam hinterfragt, setzt es sich kritisch sowohl mit der Vorstellung eines vom Islam gelösten Alevitentums als auch mit einem islamisierten Alevitentum auseinander. Diese Debatten werden in einen tiefen historischen Kontext eingeordnet und die Verbindungen des Alevitentums zu universellen spirituellen Systemen hervorgehoben.
Diese Aufzeichnung wurde am 27. Juni 2025 in den CAN-TV-Studios in Köln erstellt. Die Gespräche wurden im Rahmen des Projekts Alevi Ansiklopedisi geführt.
Im Verlauf des Videos wird die Frage „Was ist Spiritualität?“ aus alevitischer Perspektive behandelt. Kapitalismus, Nefs und die Beziehung des Menschen zur Ethik werden ausgehend von der alevitischen Theologie erklärt. Die alevitischen Deutungen von Himmel und Hölle, die Funktion von Destur sowie die grundlegenden Prinzipien der Lehre der Hakikat werden dargestellt. Die Beziehung zwischen der sichtbaren (Zahir) und der unsichtbaren (Batın) Welt wird im Rahmen der Kosmologie von Raa Haqi erläutert und macht die metaphysische Dimension des Glaubenssystems sichtbar.
Das Video enthält zudem äußerst originelle Beiträge aus den Volksnarrativen und Märchen von Dersim. Anhand der Geschichte der Schildkröte wird gezeigt, wie ein Individuum seine Identität im Erzähluniversum von Raa Haqi erkennt. Ein ehemaliger Händler, der Unrecht beging, indem er Steine in Getreidesäcke legte, soll eine „Steinform“ angenommen haben und als Schildkröte in die Welt zurückgeschickt worden sein. Ein weiteres eindrückliches Beispiel für Devriye (Seelenwanderung) wird durch die Erzählung von Başköylü Hasan Efendi vermittelt: Während eines Cem erscheint ein Hund, der sich später als ein zuvor verstorbener Dorfbewohner zu erkennen gibt.
Anhand der Schilderung einer Diskussion mit Priestern über die Geburt von Maria und Jesus wird erklärt, wie alevitische Deyiş mit den Theologien anderer abrahamitischer Religionen in Beziehung stehen. In diesem Zusammenhang wird die Frage „Wer sind wir?“ mit kosmologischer Tiefe behandelt. Die Existenz des Alevitentums von Ewigkeit zu Ewigkeit und seine Rolle als Träger des Geheimnisses der Hakikat werden durch Deyiş interpretiert.
Pir Rıza Yağmur erklärt, dass „ein Pir, der seinem İkrar treu bleibt, neunzigtausend Verse in seinem Geist trägt“. Mit dieser Aussage macht er anschaulich, wie Ocaks und Pirs im Laufe der Geschichte Wissen durch Deyiş weitergegeben haben, wie kollektives Gedächtnis bewahrt wurde und wie die alevitische Philosophie die Weitergabe von Wissen über Jahrtausende hinweg ermöglicht hat. Während das Video die Beziehung zwischen Alevitentum und Islam hinterfragt, setzt es sich kritisch sowohl mit der Vorstellung eines vom Islam gelösten Alevitentums als auch mit einem islamisierten Alevitentum auseinander. Diese Debatten werden in einen tiefen historischen Kontext eingeordnet und die Verbindungen des Alevitentums zu universellen spirituellen Systemen hervorgehoben.
Diese Aufzeichnung wurde am 27. Juni 2025 in den CAN-TV-Studios in Köln erstellt. Die Gespräche wurden im Rahmen des Projekts Alevi Ansiklopedisi geführt.
GALERİ
Gesprächspartner:in
- Ahmet Kerim Gültekin