ANKÜNDIGUNGEN

Die Alevi-Enzyklopädie auf der LSE Kurdish Studies Conference: Gemeinsame Fragen und neue akademische Dialoge

Die Alevi-Enzyklopädie nahm an der Kurdish Studies Conference teil. Die Konferenz fand vom 29. April bis 1. Mai 2026 an der London School of Economics statt. Dort kam die Alevi-Enzyklopädie mit einem internationalen akademischen Publikum zusammen.

Während der Konferenz wurde auch ein eigener Stand der Alevi-Enzyklopädie eröffnet. An diesem Stand wurden die Ziele, die Struktur, die mehrsprachigen Inhalte und die zukünftigen Pläne der Alevi-Enzyklopädie vorgestellt.

Außerdem wurde die Alevi-Enzyklopädie in einem besonderen Panel wissenschaftlich vertreten. Das Panel hatte den Titel „Alevi and Kurdish Studies at the Crossroads: Rethinking Fields and Research Horizons“. Es fand am Donnerstag, dem 30. April 2026, statt und wurde von Dr. Ümit Çetin moderiert. In diesem Panel sprachen Dr. Hakan Mertcan, Dr. Hayal Hanoğlu, Dr. Ahmet Kerim Gültekin und Ece Esmer Kırma.

Das Panel beschäftigte sich mit den Verbindungen zwischen Alevi Studies und Kurdish Studies. Beide Forschungsfelder haben viele gemeinsame Themen. Dazu gehören zum Beispiel Minderheiten, Migration, Erinnerung, Gewalt, Religion, Sprache, Geschlecht, heilige Orte und Fragen der Anerkennung. Das Panel zeigte, dass diese beiden Felder stärker miteinander ins Gespräch kommen können.

In ihrem Vortrag „Collective Knowledge-Making in Alevi Studies: The Alevi Encyclopedia“ stellte Dr. Hayal Hanoğlu die Alevi-Enzyklopädie vor. Sie erklärte, dass die Alevi-Enzyklopädie nicht nur eine Webseite ist. Sie ist auch ein internationales akademisches Wissensnetzwerk. In diesem Netzwerk arbeiten Wissenschaftler:innen, Herausgeber:innen, Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats, Feldforscher:innen und Träger:innen der mündlichen Kultur zusammen.

Die Alevi-Enzyklopädie sammelt akademisches Wissen über das Alevitentum. Sie macht dieses Wissen in verständlicher Form zugänglich. Dabei achtet sie auf wissenschaftliche Qualität. Ein wichtiges Ziel ist es, die Vielfalt des Alevitentums sichtbar zu machen. Die Inhalte erscheinen auf Türkisch, Englisch und Deutsch. Dadurch kann alevitisches Wissen auch international stärker zirkulieren.

Dr. Ahmet Kerim Gültekin sprach in seinem Vortrag „Intersecting Fields: Kurdish Alevism (Raa Haqi) at the Crossroads of Alevi and Kurdish Studies“ über das kurdische Alevitentum, also Raa Haqi. Er zeigte, dass Raa Haqi ein wichtiges Thema an der Schnittstelle von Alevi Studies und Kurdish Studies ist.

In seinem Vortrag wurde Dersim nicht nur als eine ethnische, religiöse oder regionale Identität behandelt. Dersim wurde vielmehr als ein eigener Wissensraum vorgestellt. Wichtige Begriffe waren dabei Raa Haqi, heilige Geografie, jiare, Ocak–talip-Beziehungen, mündliche Kultur, Erinnerung und nicht-menschliche Akteure. So wurde gezeigt, dass Dersim und Raa Haqi neue Fragen für beide Forschungsfelder öffnen.

Auch die anderen Vorträge erweiterten die Diskussion. Dr. Hakan Mertcan sprach über arabische Alevit:innen und ihre Bedeutung für Alevi Studies und Kurdish Studies. Ece Esmer Kırma stellte eine ökofeministische Perspektive auf jiara und Beziehungen zwischen Menschen und mehr-als-menschlichen Wesen vor. Dadurch wurden Themen wie Ökologie, heilige Orte, Körper, Geschlecht und alternative Wissensformen in die Diskussion eingebracht.

Der Stand der Alevi-Enzyklopädie war während der Konferenz ein wichtiger Ort für Gespräche. Dort trafen Mitglieder der Alevi-Enzyklopädie viele Wissenschaftler:innen aus verschiedenen Ländern. Es gab Gespräche über mögliche Kooperationen, gemeinsame Publikationen, neue Panels und zukünftige Forschungsnetzwerke. Der Stand half auch dabei, die Alevi-Enzyklopädie einem breiteren akademischen Publikum bekannt zu machen.

Ein weiterer wichtiger Programmpunkt der Konferenz war eine Sitzung über die geplante Encyclopaedia of the Kurds. Diese Diskussion war für die Alevi-Enzyklopädie besonders interessant. Sie zeigte, dass digitale Enzyklopädien heute nicht nur Informationen sammeln. Sie können auch neue Formen von akademischer Zusammenarbeit, kollektiver Erinnerung und Wissensgerechtigkeit schaffen.

Die Teilnahme der Alevi-Enzyklopädie an der LSE Kurdish Studies Conference war deshalb sehr wichtig. Sie brachte die Alevi-Enzyklopädie in einen internationalen und interdisziplinären akademischen Raum. Zugleich zeigte sie, dass Alevi Studies und Kurdish Studies viele gemeinsame Fragen haben. Besonders das kurdische Alevitentum/Raa Haqi ist ein zentrales Thema, um beide Felder neu zusammenzudenken.

Die Konferenz machte deutlich: Die Alevi-Enzyklopädie ist nicht nur eine digitale Plattform. Sie ist ein offenes, mehrsprachiges und kollektives akademisches Projekt. Sie verbindet Forschung, Erinnerung, mündliche Kultur und öffentliche Wissensvermittlung. Die Begegnungen in London haben gezeigt, dass die Alevi-Enzyklopädie wichtige Beiträge zu zukünftigen Debatten in Alevi Studies, Kurdish Studies und verwandten Forschungsfeldern leisten kann.

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