Die Alevi Ansiklopedisi nahm am I. Internationalen Kongress für Alevitentum-Forschung teil, der vom 5. bis 7. Juni 2026 in Çorum, Türkei, stattfand. Diese breit angelegte akademische Veranstaltung im Bereich der Alevitentum-Forschung war ein wichtiger Meilenstein für die Alevi Ansiklopedisi. Der Kongress war die erste große internationale akademische Veranstaltung in der Türkei, an der die Ansiklopedisi teilnahm.
Am ersten Tag des Kongresses, Freitag, dem 5. Juni 2026, war die erste Sitzung, die von 13:00 bis 14:15 Uhr in Saal 1 stattfand, den Themen kollektive Wissensproduktion, Archivierung und Digitalisierung in der Alevitentum-Forschung gewidmet. Die Sitzung wurde von Doç. Dr. Cemal Salman geleitet. In dieser Sitzung stellte Dr. Hayal Hanoğlu die Alevi Ansiklopedisi mit ihrem Vortrag „Kollektive Wissensproduktion in der Alevitentum-Forschung: Die Alevi Ansiklopedisi“ vor. In dem Vortrag wurden die Entstehung des Projekts, die Publikationsprinzipien, die editorische Struktur, das wissenschaftliche Beratungsnetzwerk und die wichtigsten Arbeiten des ersten Projektjahres behandelt. Der Vortrag stieß bei den Teilnehmenden auf großes Interesse.
In derselben Sitzung wurden auch weitere wichtige Projekte zur Archivierung alevitischen Wissens und zu seiner Übertragung in digitale Formate diskutiert. Prof. Dr. Markus Dressler und Dr. Hayal Hanoğlu hielten einen Vortrag mit dem Titel „Das Alevi-Archiv: Die Ethno-Geschichte alevitischer Gemeinschaften in Anatolien, 16.–20. Jahrhundert“. Doç. Dr. Nail Elhan stellte das Projekt „Alevitische Zeitschriften: Periodika, Erinnerung und die Konstruktion moderner alevitischer Identität“ vor. Prof. Dr. Tuncay Bülbül sprach in seinem Vortrag „Vom geheim gehaltenen Wort zu offenen Daten: Das Abdal Digital Ecosystem als neues Paradigma in der Alevitentum-Bektaschitentum-Forschung“ über digitale Archive, offene Daten und neue Forschungsmöglichkeiten.
In dieser Hinsicht bot die erste Sitzung einen starken akademischen Rahmen für die Diskussion über die Sammlung, Bewahrung, Klassifizierung, Digitalisierung und öffentliche Zirkulation alevitischen Wissens. Die in der Sitzung behandelten Themen entsprachen auch direkt dem grundlegenden Ansatz der Alevi Ansiklopedisi. Die Transformation alevitischen Wissens von gedruckten Publikationen zu digitalen Archiven wurde nicht nur als technischer Übertragungsprozess verstanden. Vielmehr wurde sie im Zusammenhang mit der Frage diskutiert, wer dieses Wissen produziert, wie es klassifiziert wird, in welchen öffentlichen Räumen es zirkuliert und nach welchen akademischen Kriterien es zugänglich gemacht wird.
Im Vortrag von Dr. Hayal Hanoğlu wurde betont, dass die Alevi Ansiklopedisi nicht nur eine Online-Publikationsplattform ist. Es wurde hervorgehoben, dass die Ansiklopedisi eine unabhängige Wissensinstitution ist, die alevitisches Wissen akademisch, kollektiv, frei zugänglich und mehrsprachig produzieren möchte. Die im ersten Projektjahr veröffentlichten Einträge, Symposien und Workshops, Videoaufnahmen, Arbeiten zur mündlichen Geschichte, Ziele im Bereich digitaler Archive, der internationale wissenschaftliche Beirat und die institutionelle Identität, die durch den ISIL-Code gewonnen wurde, gehörten zu den zentralen Punkten des Vortrags.
Das Kongressprogramm zeigte auch deutlich die interdisziplinäre Breite, die die Alevitentum-Forschung heute erreicht hat. An den beiden Tagen wurden in verschiedenen Sitzungen zahlreiche Themen diskutiert, darunter Laizismus, Säkularisierung, alevitische Identität, das Ocak-System, Rituale, Literatur, Kino, Erinnerungspolitik, digitale Plattformen, alevitisches Publizieren, Diaspora, Recht, Bildung, heilige Orte, Ökologie und gesellschaftlicher Wandel. Diese Vielfalt zeigte, dass die Alevitentum-Forschung heute ein internationales und interdisziplinäres akademisches Feld ist, das sich mit Geschichte, Anthropologie, Soziologie, Recht, Theologie, Literaturwissenschaft, Medienwissenschaft, Digital Humanities und Memory Studies überschneidet.
Ein weiterer bemerkenswerter Aspekt des Kongresses für die Alevi Ansiklopedisi war, dass viele der im Programm vertretenen Forschenden mit dem Editorial Board, dem wissenschaftlichen Beirat oder dem weiteren Autorinnenkreis der Ansiklopedisi verbunden waren. Während des zweitägigen Kongresses nahmen Akademikerinnen aus dem Umfeld der Alevi Ansiklopedisi an vielen Vorträgen teil. Diese starke Präsenz war ein konkretes Zeichen für das akademische Netzwerk, die kollektive Produktionskraft und die institutionelle Sichtbarkeit, die die Ansiklopedisi in kurzer Zeit im Feld der Alevitentum-Forschung aufgebaut hat.
Die Teilnahme der Alevi Ansiklopedisi an diesem Kongress in Çorum zeigte, dass das Projekt bereits im ersten Jahr seiner Tätigkeit eine wichtige akademische Sichtbarkeit gewonnen hat. Auch in Zukunft wird die Ansiklopedisi dazu beitragen, alevitisches Wissen nach akademischen Kriterien, mit einem pluralistischen Ansatz und nach dem Prinzip des freien Zugangs zu produzieren. Zugleich wird sie neue Forschungen, digitale Archivprojekte und internationale akademische Kooperationen im Bereich der Alevitentum-Forschung weiter unterstützen.