Die ersten Aufnahmen der Videovorlesungsreihe Alevi-Enzyklopädie Open Lecture Series: Grundbegriffe und aktuelle Diskussionen in den Alevi Studies, die als dritte zentrale Publikationslinie der Alevi-Enzyklopädie entwickelt wurde, sind in Berlin abgeschlossen worden.
Die Aufnahmen fanden am 11. und 18. Juli 2026 im Alevitische Gemeinde Berlin e.V. / Berliner Cemevi im Studio von CanoCan Films statt. Die technische Produktion und die Studioarbeit wurden von Produzent Ekin Can Erol durchgeführt.
Eine frei zugängliche akademische Vorlesungsplattform für die Alevi Studies
Die Alevi-Enzyklopädie Open Lecture Series wurde vorbereitet, um akademisches Wissen aus dem Bereich der Alevi Studies für Studierende, Forschende, Lehrende und eine breitere Öffentlichkeit leichter zugänglich zu machen.
In den letzten Jahren hat sich das Alevitentum zu einem international immer stärker beachteten Forschungsfeld entwickelt. Es wird in Disziplinen wie Geschichte, Anthropologie, Soziologie, Religionswissenschaft, Theologie, Politikwissenschaft, Migrationsforschung und Kulturwissenschaft untersucht. Dieses Wissen ist jedoch oft über verschiedene Sprachen, Disziplinen und Publikationsorte verstreut.
Die Open Lecture Series möchte dieses Wissen rund um zentrale Begriffe, historische Kontexte und aktuelle Debatten zusammenführen. Die Vorlesungen sind besonders als akademische Lehrmaterialien für Bachelor-, Master- und Promotionsstudierende gedacht. Zugleich richtet sich die Reihe auch an eine breitere Öffentlichkeit, die verlässliches und verständliches Wissen über das Alevitentum sucht.
Erste Vorlesungen erscheinen ab Oktober 2026
An den ersten Aufnahmen nahmen führende Wissenschaftler:innen aus dem Bereich der Alevi Studies teil. Die Vorlesungen wurden als kurze Videos von etwa 15 bis 20 Minuten vorbereitet. Nach Postproduktion, Schnitt, visueller Gestaltung und Untertitelung sollen die ersten Vorlesungen ab Oktober 2026 auf der Webseite der Alevi-Enzyklopädie veröffentlicht werden.
Die Vorlesungen werden zunächst vor allem auf Englisch und Deutsch vorbereitet. Später sollen sie mit Untertiteln und schriftlichen Materialien auf Türkisch und in weiteren Sprachen ergänzt werden. So soll die Reihe nicht nur sichtbar, sondern auch lesbar, zitierbar und direkt in der universitären Lehre verwendbar sein.
Zwei intensive Aufnahmetage in Berlin
Die ersten Aufnahmen wurden an zwei Drehtagen durchgeführt. Am 11. Juli 2026 wurden die Vorlesungen von Dr. Samuel Vock-Verley, Dr. Ümit Çetin, Dr. Celia Jenkins, Dr. Besim Can Zırh, Dr. Zeynep Türkyılmaz und Prof. Dr. Markus Dreßler aufgenommen.
Am 18. Juli 2026 folgten die Aufnahmen mit Dr. Mark Soileau, Deniz Ali Gür, Prof. Dr. Cem Kara, Dr. Hayal Hanoğlu und Dr. Ahmet Kerim Gültekin.
Die Reihe behandelt zentrale Themen wie Dersim/Raa Haqi, alevitische Theologie, Hızır/Xızır, alevitische Migrationserfahrungen, die Neugestaltung des Alevitentums in der europäischen Diaspora, alevitische Frauen, Bektaschismus, Hacı Bektaş Veli, Dersim 1937/38, epistemische und physische Gewalt, mündliche Überlieferung und Textualität.
Markus Dreßler und Cem Kara nahmen ebenfalls an der Reihe teil
Zu den Lehrenden der ersten Reihe gehören auch wichtige Namen der Alevi Studies. Prof. Dr. Markus Dreßler ist Professor für Moderne Türkeistudien am Institut für Religionswissenschaft der Universität Leipzig. Seine Arbeiten beschäftigen sich unter anderem mit Religion, Säkularität, Alevitentum sowie dem Verhältnis von Religion und Politik im späten Osmanischen Reich und in der modernen Türkei.
Prof. Dr. Cem Kara ist Professor für Alevitische Theologie am Institut für Alevitische Theologie im Fachbereich Religionen der Universität Hamburg. Seine Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem in den Bereichen alevitische Theologie, mündliche Überlieferung, Textualität, Bektaschismus und alevitische Geschichtsschreibung.
Bei den Aufnahmen in Berlin kamen Prof. Dr. Markus Dreßler und Prof. Dr. Cem Kara gemeinsam mit Wissenschaftler:innen aus verschiedenen Ländern, dem Team der Alevi-Enzyklopädie und dem Produktionsteam von CanoCan Films zusammen.
Die dritte Publikationslinie der Alevi-Enzyklopädie
Die Alevi-Enzyklopädie hat sich bisher über drei zentrale Publikationsbereiche entwickelt: enzyklopädische Beiträge, das Videoarchiv „Yol Önderlerinin Dilinden“ und nun die Alevi-Enzyklopädie Open Lecture Series.
Die enzyklopädischen Beiträge bieten kurze, belegte und verständliche Texte zu Themen wie alevitische Geschichte, Theologie, Rituale, Institutionen, Diaspora, Geschlecht, Erinnerung, Musik und heilige Orte. Das Videoarchiv „Yol Önderlerinin Dilinden“ dokumentiert die mündliche Erinnerung von Pirs, Anas, Dedes, Babas, Seyits, Zakirs und anderen alevitischen Wissensträger:innen.
Die Open Lecture Series verwandelt akademisches Wissen in eine systematische, lehrbare und langfristig archivierbare Video-Bildungsplattform. In diesem Sinn gilt die Reihe als ein neuer Schritt zur Stärkung der digitalen Wissensinfrastruktur der Alevi-Enzyklopädie.
Zusammenarbeit zwischen Alevi Studies Network und Alevi-Enzyklopädie
Die Open Lecture Series wurde in akademischer Zusammenarbeit zwischen der Alevi-Enzyklopädie und dem Alevi Studies Network entwickelt. Die akademische Koordination des Projekts liegt bei Dr. Ahmet Kerim Gültekin. Am wissenschaftlichen Beratungsprozess waren Dr. Ümit Çetin, Dr. Besim Can Zırh, Dr. Berfin Emre, Dr. Celia Jenkins und Dr. Hayal Hanoğlu beteiligt.
Das Alevi Studies Network ist ein internationales akademisches Kommunikationsnetzwerk, das rund 500 Forschende im Bereich des Alevitentums zusammenbringt. Die Alevi-Enzyklopädie ist eine mehrsprachige digitale Wissensplattform, die auf Türkisch, Englisch und Deutsch veröffentlicht. Sie ist mit dem ISIL-Code DE-4607 in internationalen Bibliotheks- und Archivstrukturen registriert.
Ziel: Alevitisches Wissen an kommende Generationen weitergeben
Die Alevi-Enzyklopädie Open Lecture Series wurde entwickelt, damit Wissen über das Alevitentum nicht nur in akademischen Publikationen bleibt, sondern auch für Studierende, jüngere Generationen, alevitische Gemeinschaften und die breite Öffentlichkeit zugänglich wird.
Die Reihe möchte auf den Bedarf an verlässlichem, wissenschaftlichem und mehrsprachigem Wissen über das Alevitentum antworten. Zugleich wird sie als wichtiger Schritt gesehen, um alevitisches Kulturerbe, mündliche Erinnerung und akademisches Wissen im digitalen Zeitalter zu bewahren und an kommende Generationen weiterzugeben.
Das Team der Alevi-Enzyklopädie plant, die Open Lecture Series in den kommenden Jahren mit neuen Reihen, weiteren Sprachen und zusätzlichen Lehrmaterialien auszubauen und sie zu einer dauerhaften, frei zugänglichen Bildungsressource für die universitäre Lehre zu entwickeln.