Wie Soll Man Für Die Alevi Enzyklopädie Schreiben?

Dokumentation Eines Fragilen Und Bedrohten Kulturerbes

Enzyklopädisches Schreiben

Das Schreiben eines Enzyklopädieartikels erfordert eine andere Methode als wissenschaftliche Aufsätze, Essays oder Fachbücher. Ziel, Struktur, Inhalt, Präsentation und Stil eines Enzyklopädiebeitrags unterscheiden sich deutlich von anderen akademischen Textarten. Dieser Leitfaden enthält die Grundregeln für Autor*innen, die zur Alevi Enzyklopädie beitragen möchten.

Enzyklopädien sind in der Regel eine verlässliche Informationsquelle für Schülerinnen, Studierende, Forschende und Akademikerinnen. Die Artikel müssen mit akademischer Sorgfalt erstellt werden und zugleich für eine breite Leserschaft verständlich und zugänglich sein. Im Unterschied zu Wörterbüchern bieten Enzyklopädieartikel nicht nur kurze Definitionen. Sie behandeln ein Thema ausführlicher, sind jedoch weniger komplex und technisch als Fachbücher. Sie sollen systematisch informieren und den Leser*innen eine klare Perspektive geben.

Die Alevi Enzyklopädie geht wegen ihres besonderen Themas über diesen klassischen Rahmen hinaus: Sie ist so konzipiert, dass sie sowohl kurze, lexikalische Beiträge als auch systematische und detaillierte enzyklopädische Artikel umfasst. In jedem Format jedoch bleibt die Enzyklopädie den akademischen Standards verpflichtet und veröffentlicht Inhalte, die wissenschaftliche Qualität und Zugänglichkeit verbinden.

Die Schwierigkeiten des Schreibens: Geografisch-kulturelle Vielfalt & umstrittene Themen

Obwohl die akademische und intellektuelle Literatur über das Alevitentum heute ein beachtliches Ausmaß erreicht hat, ist die Erstellung einer enzyklopädischen Arbeit darüber mit verschiedenen Herausforderungen verbunden. Der Grund dafür liegt in der relativ jungen Forschung sowie in den oft widersprüchlichen Perspektiven.

Historisch gesehen wurde das Alevitentum größtenteils mündlich weitergegeben. Das wissenschaftliche Interesse, das die Alevi-Literatur stark geprägt hat, entwickelte sich erst in den letzten fünfzig Jahren – beschleunigt durch die Migration der Aleviten in die großen Städte der Türkei und Westeuropas. Deshalb finden sich in der schriftlichen Literatur nicht nur Spuren innerer und äußerer Dynamiken wie Migration, sozialer Wandel, Politisierung und Säkularisierung, sondern auch Einflüsse westlicher kolonialer Ideen und Ansätze.

Heute ist das Alevitentum sowohl in der internationalen Wissenschaft als auch in der Öffentlichkeit ein zunehmend diskutiertes Thema. Unterschiedliche ideologische, religiös-soziale, ethno-kulturelle und politische Perspektiven führen zu verschiedenen Deutungen der alevitischen Identität, Geschichte, Soziologie, Theologie und Praxis. Auch die institutionellen Strukturen innerhalb der Alevi-Gemeinschaft spiegeln diese Vielfalt wider und schaffen unterschiedliche Narrative und Diskurse.

Darüber hinaus ist das Alevitentum inzwischen zu einer übergeordneten Identität geworden, die Gemeinschaften in einem großen geografischen Raum von den Balkanen über Anatolien, den Kaukasus und den Nahen Osten umfasst. Unter Berücksichtigung historischer und zeitgenössischer Bektaschi- und Sufi-Traditionen erweitert sich dieses Gebiet sogar bis vom iranischen Hochland bis nach Ostasien.

Da die Aleviten eine mehrsprachige Gemeinschaft mit unterschiedlichen ethnischen Wurzeln sind, unterscheiden sich auch ihre heutigen Deutungen und Praktiken. Diese historischen, geografischen und kulturellen Dynamiken tragen wesentlich zu den anhaltenden Debatten über die gesellschaftliche und religiöse Identität der Aleviten bei.

Warum braucht es die Alevi Enzyklopädie?

Eine umfassende Enzyklopädie über das Alevitentum zu erstellen, ist – trotz der oben genannten Schwierigkeiten – sowohl eine intellektuelle Verantwortung als auch eine dringende Notwendigkeit. Aleviten waren in der Geschichte systematischem Druck, Assimilation sowie physischer und epistemischer Gewalt ausgesetzt. Das Fehlen einer allgemein zugänglichen, sorgfältig erarbeiteten und vielseitigen Informationsquelle hat dazu beigetragen, dass die Geschichte, Kultur und der Glaube der Aleviten oft manipuliert oder durch äußere Eingriffe verzerrt wurden.

Eine Online- und frei zugängliche Enzyklopädie bietet die Möglichkeit, solche Risiken zu überwinden und die verschiedenen Dimensionen des Alevitentums umfassend darzustellen. Noch wichtiger ist, dass die Alevi Enzyklopädie dazu beiträgt, Wissen über das Alevitentum mit den Begriffen, Perspektiven und Empfindungen aus der eigenen Bedeutungswelt der Aleviten zu formulieren. Dadurch können Aleviten ihr kulturelles Erbe selbst vertreten und sich gegen assimilatorische, koloniale oder hegemoniale Diskurse behaupten.

In einer Zeit, in der kollektive Identität, Erinnerung und Emotionen intensiv diskutiert werden, ist die Alevi Enzyklopädie auch ein entscheidender Schritt zur Demokratisierung der Wissensproduktion und zur Schaffung eines pluralistischen akademischen Rahmens. Darüber hinaus erlaubt sie mehrere Beiträge zum gleichen Thema und spiegelt so die kulturelle und politische Vielfalt der alevitischen Gemeinschaft auch aus einer wissenschaftlichen Perspektive wider.

Worüber und wie soll man schreiben?

Die Alevi Enzyklopädie ist ein Nachschlagewerk über die Geschichte, Kultur, Glaubensvorstellungen, Rituale, wichtigen Persönlichkeiten, Orte und Institutionen des Alevitentums. Die Artikel sollen sich auf grundlegende Informationen konzentrieren und ohne subjektive Kommentare oder kritische Bewertungen Fragen beantworten wie: Wer, was, wann, wo, warum, wie, welche Diskussionen gibt es, welche (wissenschaftlichen/zuverlässigen) Quellen existieren?

Beim Schreiben über historische Persönlichkeiten müssen Autor*innen eine neutrale Sprache verwenden und idealisierende Darstellungen vermeiden. Biografische Artikel sollen grundlegende Angaben enthalten, zum Beispiel Geburts- und Sterbedaten, Geburtsort, Ausbildung, beruflicher Werdegang und die Bedeutung für das Alevitentum. Die Artikel sollen den historischen und soziopolitischen Kontext klar aufzeigen.

Da das Alevitentum theologisch, politisch und kulturell vielfältig ist, müssen unterschiedliche Perspektiven in den Beiträgen ausgewogen dargestellt werden. Die Artikel sollen es den Leser*innen ermöglichen, die einschlägige akademische Literatur selbstständig zu bewerten.

Akademische und methodische Standards

Alle Autor*innen, die zur Alevi Enzyklopädie beitragen, müssen die folgenden akademischen Standards einhalten:

  • Neutralität: Die Artikel sollen objektiv und ausgewogen sein und dürfen keine ideologischen oder politischen Tendenzen enthalten.
  • Wissenschaftliche Sorgfalt: Es sollen verlässliche akademische Quellen und Primärdokumente verwendet werden.
  • Klarheit und Zugänglichkeit: Komplexe Themen sollen in einfacher und verständlicher Sprache erklärt werden.
  • Zitation und Literaturverzeichnis: Quellen müssen gemäß dem Zitationssystem der Enzyklopädie angegeben werden.
  • Pluralismus: Unterschiedliche Ansichten sollen ausgewogen dargestellt werden.
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