Yas-ı Matem-Rituale im Dersim-Alevitentum (Raa Haq), Kerbela und die Hüseyni Duruş

In diesem Video behandelt Ana Didar Cenan die Zeit des Yas-ı Matem im Dersim-Alevitentum (Raa Haqi) im Zusammenhang einer rituellen und symbolischen Welt, die mit dem Wiedererwachen der Natur, der Wiedergeburt und dem Neubeginn zyklischer Prozesse verflochten ist. Diese Schwelle, die durch das Fallen der cemres in Luft, Wasser und Erde symbolisiert wird, bezeichnet im Raa Haqi-Glauben eine Phase, in der sich der kosmische Zyklus erneuert und historische Erinnerung sowie ethische Haltung erneut ins Bewusstsein treten.

Die Darstellung von Ana Didar Cenan macht zudem die Auswirkungen staatlicher Eingriffe in die Dersimer Ocaks und jiares (ziyarets) auf die Glaubenspraxis sichtbar. Diese externen Interventionen, die sich um Ocaks und ziyarets gruppieren, werden zusammen mit emotionalen Traumata, religiösen Brüchen und Wunden im kollektiven Gedächtnis thematisiert. Anhand eigener Erfahrungen zeigt Ana Didar Cenan, wie Yas-ı Matem und die Fasten der 12 İmamlar in Verbindung mit diesen Eingriffen die physische und epistemische Gewalt gegenüber der alevitischen Gemeinschaft im Kontext von Dersim konkret werden lassen. Die Erzählung wird stellenweise durch Kurmanci-deyiş und Gebete ergänzt, wodurch die Bedeutungs- und Gefühlswelt des Raa Haqi in ihrer eigenen Sprache zum Ausdruck kommt.

Im Video wird Yas-ı Matem anhand des spezifischen rituellen Repertoires des Dersim-Alevitentums ausführlich erläutert. Praktiken wie der Verzicht auf Fleisch während der Trauertage, das Meiden von Unterhaltung, Hochzeiten und Festen, sehr sparsames Essen sowie das Nichtberühren oder Nichtverzehren runder Gegenstände werden zusammen mit den Ritualen nach den Fasten der 12 İmamlar dargestellt. In dieser Zeit stärkt sich die gemeinschaftliche Solidarität im Dorfleben. Gegenseitige Fürsorge, gemeinsame Besuche der jiares und kollektive niyaz-Praktiken treten in den Vordergrund.

Besonders hervorzuheben ist die bewusste Verwendung des Ausdrucks „Raa Haq Alevis“ durch Ana Didar Cenan, da dieser die eigenständige Position der Dersim-zentrierten Raa Haqi-Tradition innerhalb der alevitischen Wege aus einer inneren Perspektive und mit eigenen Begriffen sichtbar macht. Dieser Ausdruck stellt ein starkes inneres Zeugnis dar, das aus dem Bedeutungs-, Gefühls- und Symboluniversum des Dersim-Alevitentums hervorgeht. Zudem behandelt das Video die konstitutive Rolle der Kerbela-Erzählung im Alevitentum anhand zentraler Narrative wie der „Haltung Hüseyins“ (Hüseyni duruş) und dem „Schrei Zeyneps“ und macht deren Resonanzen sowie ethisch-politische Entsprechungen unter den Dersimer Aleviten sichtbar. Auf der Seite der Unterdrückten zu stehen, sich mit ihnen zu identifizieren und die Forderung nach Gerechtigkeit lebendig zu halten, wird als grundlegender Rahmen des Raa Haqi-Glaubens erläutert.

Dieses Video stellt ein bedeutendes Zeugnis mündlicher Geschichte dar, das mit äußerst wertvollen ethnografischen Daten die historischen, rituellen, emotionalen und sozialen Dimensionen der Yas-ı Matem-Rituale, der Kerbela-Erinnerung und der Hüseyni duruş im Dersim-Alevitentum (Raa Haqi) dokumentiert.

Diese Aufnahme entstand am 6.–7. Dezember 2025 in den CAN-TV-Studios in Köln im Rahmen der mündlichen Geschichts- und visuellen Archivarbeit der Alevi-Enzyklopädie als Teil der Reihe „Aus der Sicht der Wegführer“.
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