Gağan, Kurmanci-Gebete, kommunales Dorfleben und die Rolle der Frauen im Dersim-Alevitentum

In diesem Video behandelt Ana Didar Cenan die Gağan-Zeit im Dersim-Alevitentum (Raa Haqi) aus einer inneren Perspektive und legt den Fokus auf Rituale, das Kalenderverständnis und gemeinschaftliche Lebenspraktiken. Gağan, eine der wichtigsten Phasen im alevitischen Kalender von Dersim, erstreckt sich von Mitte Dezember bis Ende Januar. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts bezeichnete diese Zeit ein Ensemble von Ritualen, mit denen die in den Dersimer Bergen lebenden Alevi-Gemeinschaften – weitgehend von der Außenwelt isoliert – nach ihrem eigenen religiösen Kalender das alte Jahr verabschiedeten und das neue begrüßten.

Anhand der Gağan-Fasten, des szenischen Spiels Khal û Fatık, der Besuche von jiares (ziyarets) und der Gağan-Feiern wirft Ana Didar Cenan ein detailliertes Licht auf das rituelle Repertoire des Dersim-Alevitentums. Die Darstellung macht deutlich, dass diese Rituale, die sich um die Verabschiedung des alten und die Begrüßung des neuen Jahres gruppieren, nicht nur einen religiösen, sondern auch einen sozialen und emotionalen Erneuerungsprozess darstellen. Die besonderen Rollen der Kinder während Gağan, die Segnung des Hauses und der Haustiere, die zentrale Bedeutung des Wassers in Reinigungsritualen sowie Kurmanci-Gebete und Reime werden ausführlich thematisiert.

Besonders hervorzuheben ist Ana Didar Cenan’s Bezug auf die kulturelle Welt vor der Einführung des gregorianischen Kalenders, den sie als „Regierungskalender“ bezeichnet. Diese Darstellung zeigt, dass Zeit im Dersim-Alevitentum ihre Bedeutung aus der Beziehung zu natürlichen Zyklen und zum kollektiven Gedächtnis gewinnt und dass sich die Welt der Glaubensvorstellungen, Gefühle und Symbole innerhalb dieses spezifischen Kalenderverständnisses formt. Teils in Kurmanci vermittelte Erzählungen machen die Lebendigkeit und Kontinuität der Gağan-Rituale im ländlichen Dorfleben von Dersim sichtbar.

Die Gağan-Rituale spiegeln zugleich die gemeinschaftlichen und solidarischen Lebensweisen der kurdisch-alevitischen Stammes- und Dorfgemeinschaften in den Dersimer Bergen wider. Das Teilen von Lebensmitteln, das Bewältigen der harten Winterbedingungen durch kollektive Solidarität sowie Praktiken des Teilens insbesondere mit Bedürftigeren bilden die soziale Dimension von Gağan. Innerhalb dieses gemeinschaftlichen Lebens nimmt die konstitutive und tragende Rolle der Frauen einen der stärksten thematischen Schwerpunkte des Videos ein. Frauen werden als zentrale Akteurinnen sichtbar, die rituelles Wissen weitergeben, Erinnerung tragen und den Alltag sowie religiöse Praktiken organisieren. Die Darstellung von Ana Didar Cenan zeigt deutlich, dass Frauen im Dersim-Alevitentum nicht nur eine ausführende, sondern auch eine kreative und ordnende Rolle übernehmen.

Diese Aufnahme entstand am 6.–7. Dezember 2025 in den CAN-TV-Studios in Köln im Rahmen der mündlichen Geschichts- und visuellen Archivarbeit der Alevi-Enzyklopädie als Teil der Reihe „Aus der Sicht der Wegführer“.
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