Mündliche Kultur, Deyiş, Nefes, Gülbenk, Mersiye, Duvaz sowie alevitische Philosophie und Kosmologie – Pir Ecevit Emre
In diesem Video behandelt Pir Ecevit Emre umfassend die zentrale Rolle der mündlichen Tradition im Alevitentum und erläutert, wie das Alevitentum in seiner Gesamtheit als mündliche kulturelle und religiöse Tradition fortbesteht. Er betont, dass Wissen, Lehre und kollektives Gedächtnis im alevitischen Glaubensverständnis vor allem durch mündliche Weitergabe von Generation zu Generation übertragen werden.
Die Darstellung erläutert detailliert die historische und funktionale Bedeutung mündlicher Formen wie deyiş, nefes, gülbenk, mersiye und duvaz. Mit Aussagen wie „Alevitische deyiş sind Gedächtnis“ und „nefes sind unsere Wahrheit“ macht Pir Ecevit Emre deutlich, dass diese mündlichen Formen die alevitische Philosophie, Ethik, Theologie, Kosmologie und soziale Ordnung als Ganzes tragen. In diesem Sinne werden deyiş und nefes als grundlegende Wissensformen verstanden, durch die kollektive Vernunft und Erkenntnis im Alevitentum vermittelt werden.
Aus diesem Grund erinnert der Pir daran, dass deyiş und nefes in der alevitischen Tradition auch als der „sprechende Koran“ bezeichnet werden. Er erläutert, dass Alevit:innen davon ausgehen, dass diese mündlichen Texte batın-Bedeutungen enthalten und dass ihr Verständnis über die zahir-Ebene hinausgehen muss, um ihr Wesen zu erfassen. Anhand von deyiş des Ozan Daimî zeigt Pir Ecevit Emre Schritt für Schritt, wie diese batın-Bedeutungswelt gelesen werden kann, und macht diese Auslegungspraxis anhand konkreter Beispiele sichtbar.
Darüber hinaus geht das Video auf die Wegführer und Dichter (yol uluları) ein, die die alevitische mündliche Tradition geprägt und über Jahrhunderte hinweg ein starkes Vermächtnis hinterlassen haben. Persönlichkeiten wie Pir Sultan Abdal, Şah Hatayi, Kul Himmet, Virani, Nesimi, Yemini, Kaygusuz Abdal, Yunus Emre, Mahzuni Şerif, Âşık Sulari und viele weitere werden als tragende Säulen des alevitischen kollektiven Gedächtnisses hervorgehoben. Dieses Erbe bewahrt nicht nur gelebte Erfahrungen und historische Prozesse, sondern trägt zugleich die alevitische Theologie, Kosmologie, Ethik und Moralvorstellungen.
In dieser Perspektive bietet das Video einen wichtigen Zugang zum Verständnis dafür, wie sich kollektive Vernunft, Gedächtnis und Gefühlswelten im Alevitentum herausbilden, wie sie weitergegeben werden und wie sie im Alltag wirksam sind. Indem die konstitutive Rolle der mündlichen Tradition im Alevitentum sichtbar gemacht wird, enthält die Darstellung besonders wertvolle ethnografische und gedankliche Einsichten.
Diese Aufnahme wurde am 6.–7. Dezember 2025 in den CAN TV Studios in Köln im Rahmen der mündlichen Geschichts- und visuellen Archivarbeit der Alevi Enzyklopädie sowie der Reihe „Aus den Worten der Wegführer:innen“ aufgezeichnet.
Die Darstellung erläutert detailliert die historische und funktionale Bedeutung mündlicher Formen wie deyiş, nefes, gülbenk, mersiye und duvaz. Mit Aussagen wie „Alevitische deyiş sind Gedächtnis“ und „nefes sind unsere Wahrheit“ macht Pir Ecevit Emre deutlich, dass diese mündlichen Formen die alevitische Philosophie, Ethik, Theologie, Kosmologie und soziale Ordnung als Ganzes tragen. In diesem Sinne werden deyiş und nefes als grundlegende Wissensformen verstanden, durch die kollektive Vernunft und Erkenntnis im Alevitentum vermittelt werden.
Aus diesem Grund erinnert der Pir daran, dass deyiş und nefes in der alevitischen Tradition auch als der „sprechende Koran“ bezeichnet werden. Er erläutert, dass Alevit:innen davon ausgehen, dass diese mündlichen Texte batın-Bedeutungen enthalten und dass ihr Verständnis über die zahir-Ebene hinausgehen muss, um ihr Wesen zu erfassen. Anhand von deyiş des Ozan Daimî zeigt Pir Ecevit Emre Schritt für Schritt, wie diese batın-Bedeutungswelt gelesen werden kann, und macht diese Auslegungspraxis anhand konkreter Beispiele sichtbar.
Darüber hinaus geht das Video auf die Wegführer und Dichter (yol uluları) ein, die die alevitische mündliche Tradition geprägt und über Jahrhunderte hinweg ein starkes Vermächtnis hinterlassen haben. Persönlichkeiten wie Pir Sultan Abdal, Şah Hatayi, Kul Himmet, Virani, Nesimi, Yemini, Kaygusuz Abdal, Yunus Emre, Mahzuni Şerif, Âşık Sulari und viele weitere werden als tragende Säulen des alevitischen kollektiven Gedächtnisses hervorgehoben. Dieses Erbe bewahrt nicht nur gelebte Erfahrungen und historische Prozesse, sondern trägt zugleich die alevitische Theologie, Kosmologie, Ethik und Moralvorstellungen.
In dieser Perspektive bietet das Video einen wichtigen Zugang zum Verständnis dafür, wie sich kollektive Vernunft, Gedächtnis und Gefühlswelten im Alevitentum herausbilden, wie sie weitergegeben werden und wie sie im Alltag wirksam sind. Indem die konstitutive Rolle der mündlichen Tradition im Alevitentum sichtbar gemacht wird, enthält die Darstellung besonders wertvolle ethnografische und gedankliche Einsichten.
Diese Aufnahme wurde am 6.–7. Dezember 2025 in den CAN TV Studios in Köln im Rahmen der mündlichen Geschichts- und visuellen Archivarbeit der Alevi Enzyklopädie sowie der Reihe „Aus den Worten der Wegführer:innen“ aufgezeichnet.
GALERİ
Gesprächspartner:in
- Dr. Ahmet Kerim Gültekin